


Am Samstag Abend, den 19. April 2008 machten ich mich auf den 2stündigen Weg, die Hündin abzuholen. In der Pflegestelle gab es noch einen unkastrierten, 11/2 jährigen Rüden und es war zu eng in der kleinen Wohnung. Ich fand eine beige, nicht sonderlich gepflegte, Pudel-Mix-Dame Namens „Joecy“ vor. Schon der erste Anblick ließ mich erschaudern. Was musste diese kleine Hündin schon alles ausgestanden haben? Nicht nur, dass sie sehr ungepflegt aussah, oder, dass sie ziemlich schlechte Zähne und Parodontose hatte, ein Eckzahn ist sogar abgebrochen, nein ihr Gesäuge war so "ausgelutscht", wie es nur bei „Gebär-Maschinen“ aussieht. Ihre 4 mittleren Zitzen waren so groß wie Kirschen. Sie ist doch „nur“ ein Pudel-Mischling. Oh, welch´ eine Qual musste diese Hündin schon erlitten?
Ich kniete mich zu ihr runter, lies mich beschnüffeln und sprach mit ihr. Sofort kam sie näher und lies sich von mir intensive kraulen. Das erste kennen lernen war geschafft, das Eis gebrochen. Ich packte alles nötige ein, Joecy setzte ich in die Transportbox ins Auto, und fuhr wieder zurück.
Auf der gesamten Fahrt über, verhielt sich Joecy sehr ruhig.
Wieder zu Hause:
Als ich gegen 6:00 Uhr
am Sonntag Morgen Zuhause angekommen war, und ich Joecy, nach
dem
Gassi-Gang,
ihren zukünftigen Schlafplatz zeigte, war der Stress erst mal
vorbei. Ich war
ihre neue Bezugsperson – ihre "Retterin" – so benahm
sie sich zumindest. Sie lies
mich nicht mehr aus den Augen, geschweige denn, einen Schritt ohne sie
machen.
Sie himmelte mich förmlich an. Von Anfang an, lief
alles sehr unproblematisch mit Joecy. Sie war zwar mit ihren mind. 10-12
Jahren
(später vom Tierarzt, anhand eines Röntgenbildes,
geschätzt) noch nicht
stubenrein, doch das klappte fast wie von selbst. Es dauerte
nur ein
paar Tage,
da hatte Joecy es raus, wenn ich die Leine nahm, ging es raus und nach
dem
„Geschäft“ eine Belohnung. Joecy´s Appetit war
gewaltig. Sie fraß fast ständig. Gleich am Montag
Nachmittag fuhr ich mit ihr
zum Tierarzt, um die ungefähre Anzahl der zu erwartenden
Welpen zu bestimmen,
und um die Weite der Trächtigkeit zu erfahren. – Maximal noch eine Woche – hieß
es dann und ca. 3-4 Welpen.
Okay! Also, ran ans vorbereiten! Wurfkiste vorholen, die hatte ich schon vor längerer Zeit mal gebaut, da ich schon mal eine trächtige Hündin bekommen sollte, die aber dann vorzeitig ihre Welpen bekam und nicht mehr zu transportieren war. Alles schön fertig gemacht, Decken rein, Laken rein, kleinere Handtücher dazu, damit Joecy was zum Nest bauen hatte.
Doch weit gefehlt, Sie ging nicht rein. Oh Schreck, was nun? Doch ich wartete einfach ab. Zwischendurch lockte ich sie mal rein und setzt mich dann neben die Wurfkiste hin. Sobald ich aber aufstand, war auch Joecy wieder draußen. Hier war Geduld gefragt. Und... , die Geduld siegte. Eines Abends, ich saß noch vor dem Computer, da hörte ich so ein komisches Geräusch, drehte mich um, und als ich in die Diele sah, war Joecy in der Wurfkiste und wühlte eifrig darin herum. Von da an ging sie immer öfter rein. Klasse, hat also doch geklappt.
Ein tägliches Ritual war es, Fieber bei Joecy zu messen. Da sie in der vorherigen Pflegestelle schon so um die 37,1° hatte, war ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich noch eine Woche dauern würde, bis sie ihre Welpen zur Welt bracht. Die Temperatur schwankte. Mal 37,1°, dann wieder 37,6° zurück auf 37°, dann auf 38° .... und so weiter.
Der
große Tag:
Es ist Donnertag Abend,
der 24. April 2008. Joecy geht sehr oft in die Wurfkiste. Sie ist etwas
nervöser, ihre Temperatur ist 37,4°. Sie muss
ständig raus, rennt nur rum. Auch
in der Nacht zu Freitag, weckt sie mich öfter, um raus zu
gehen. Freitag Morgen
messe ich wieder Ihre Temperatur. Sie liegt bei 37,0°. Gegen
Mittag nur noch
36,8° und am Nachmittag bei 36,9°. Ihre
Unruhe ist
gestiegen, sie hechelt
vermehrt und winselt ab und zu. Oh, da kündigt sich die Geburt
an! Mensch, nun
werde ich auch nervös * grins*. Okay, nur die Ruhe bewahren.
Alles in Ruhe fertig
machen. Die Wurfkiste stelle ich ins Büro, da ist es am
ruhigsten. Lege mir
alles zurecht, Hände-Desinfektion, Waage,
Küchenpapier, saubere Tücher und
Handtücher, Geburts-Liste, etc.! Alles bereit – es
kann losgehen.
Ich darf Joecy nicht mehr von der Seite weichen. Sie rennt mir noch mehr hinterhe, als vorher sowieso schon. Also, noch ´nen bequemen Stuhl hingestellt, und warten.
Gegen 18:30 Uhr wird sie noch unruhiger, leckt sich oft und schaut zum Bauch. Um 19:50 Uhr der erste rote Fleck auf dem Laken, und.... sie fängt an zu pressen..... (oh man – bin ich aufgeregt, aber ich lasse es mir nicht anmerken). Da sie ja schon einige Geburten hinter sich haben musste, bin ich sehr zuversichtlich, dass sie es ganz allein schafft. Nur alleine sein, dass möchte sie offensichtlich nicht. Okay, Joecy, ich bin bei dir!
Um 19:56 Uhr kommt der
erste Welpe! HURRA – „wir“ sind
Mama(´s) *lach*. Nun, was ist es denn?
Sie leckt eifrig an den Welpen rum, kaut die Nabelschnur durch und
leckt es
wieder. Ich helfe mit einem Küchenpapier, den Welpen etwas
schneller trocken zu
machen und schaue ganz vorsichtig unterm Bauch – eine
Hündin – klasse. Sie ist
beige, mit einem krausen Fellstreifen im
Nacken
und hat dunkel-beige
Flecken.
Oh, ist die süß. Sie heißt ab nun
„Amba“. Sie wiegt 230g und ist ca. 16 cm
lang, ohne Schwanz gemessen. Joecy ist sichtlich erleichtert.
Ständig verlangt
sie von mir Aufmerksamkeit, gutes zureden, aufmunternde Worte. Nur zu
gerne
rede ich mit ihr, wie toll sie das alles macht und wie lieb sie dabei
ist. Immer
wieder reiche ich ihr die Schale mit verdünnter Milch und ab
und zu einen
Löffel mit Traubenzucker. Dankend nimmt sie beides an. Ihre
Blicke bestätigen
mir, wie gut sie dies gebrauchen kann.
Man bedenke, Joecy ist erst seit 6 Tagen bei mir und sie vertraut mir völlig. Ich darf sie streicheln, und massieren, ich darf ihre kleinen Babys anfassen – es ist einfach sagenhaft, wie sehr diese (vermutlich) geschundene Hündin, Vertrauen in einen fremden Menschen setzt. Was für ein liebenswertes Wesen. Was für eine Großmütigkeit, trotz unvorstellbarer Vergangenheit, einem wildfremden Menschen, auf Anhieb so zu vertrauen. Ich bin nur noch sprachlos und muss bei diesen Gedanken wirklich schlucken! In diesem Moment, habe ich mir vorgenommen, das Joecy ein besonders gutes neues Zuhause verdient hat und werde es so lange suchen, bis ich es gefunden habe.
Es dauert knapp 1
1/2 Std. da geht es wieder los. Die
nächsten Presswehen! Es ist jetzt 21:37
Uhr!
Und..... es kommt
was schwarzes
zum Vorschein. Oh.... wieder super süß! Ein
Rüde! Er hat einen weißen
Irokesen-Streifen auf dem Kopf und eine weiße Brust. Goldig!
Er heißt „Barney“,
ist genauso groß, wie seine Schwester und wiegt 210g. Wieder
kümmert sich Joecy
„fachmännisch“ um ihren kleine
Sprössling. Alles super.
Mittlerweile ist es schon 23:00 Uhr und es hat sich noch nichts wieder getan, .....nun wird es aber langsam Zeit. Aber, ich vertraue Joecy da völlig, sie wirkt so „professionell“, da mache ich mir nicht so große Sorgen. Da sie mit ihren zwei Welpen beschäftigt ist, mache ich mir schnell einen Cappuccino, ...den brauche ich jetzt.
Um 23:56 Uhr ist es
dann noch einmal soweit, Joecy presst wieder. Nach 3 Wehen ist die
kleine
„Cori“
geboren. Fein kaut Joecy die Nabelschnur
durch und leckt ihre Tochter
trocken. Wie ihre Geschwister zuvor krabbelt die Kleine in Richtung
Zitzen.
Welch’ ein wunderschöner Moment! Welch’ ein kleines Wunder überhaupt!
Ich bin sehr überwältigt und freue mich riesig, alles hat ohne Komplikationen geklappt. Joecy ist sichtlich erschöpft und müde, aber wohl auch glücklich! Auch ich bin müde und wir machen beide erst mal die Augen zu und schlummern eine Runde.
Einige Stunden später...., Joecy weckt mich, sie muss wieder raus. Ganz schnell erledigt sie ihre Geschäfte und will wieder ganz schnell zu ihren Welpen. Oh, die sind sooo süß!

Alle Welpen wachsen und gedeihen prächtig, sie sind munter und vergnügt. Die Zeit vergeht wie im Flug. Sie halten die ganze Familie in Atem. Es ist einfach klasse. Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Alle drei, Amba, Cori und Barney finden super tolle Familien und ziehen nach 10 u. 11 Wochen aus. Mit einem lachenden und einem weinendem Auge verabschieden wir uns von den kleinen Rackern. Am schweersten fällt es unserm 8 jährigen Sohn Dominic, der natürlich alle 3 Welpen besonders ins Herz geschlossen hat. Aber da es ja ein Wiedersehen gibt, kommt er ganz gut damit klar.
Es war eine tolle Erfahrung für mich, dieses kleine Wunder miterleben zu dürfen, und für Joecy wohl das Beste ihres Lebens. Zurück bleibt ein warmes Gefühl, Freude und Liebe für eine kleine, geschunden Pudel-Mix-Hündin und für mich.
ENDE GUT, ALLES GUT!
