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Auszug aus einem Pflegestellen-Tagebuch!

Bild-Joecy
Steckbrief:
Pudelmix-Hündin "Joecy", ca. 10-12 Jahre,
Wesen: nur lieb, auf "Frauchen" fixiert, verschust,
fit und lauffreudig, leider leidet sie an epeleptischen Anfällen
Anfang April, von Mitarbeitern des Tierheims Kalletal, mit 24 weiteren, trächtigen Hündinen aus schlechter Haltung gerettet.




Vorgeschichte:



Ankunft in der Not-Pflegestelle:

Am Samstag Abend, den 19. April 2008 machten ich mich auf den 2stündigen Weg, die Hündin abzuholen. In der Pflegestelle gab es noch einen unkastrierten, 11/2 jährigen Rüden und es war zu eng in der kleinen Wohnung. Ich fand eine beige, nicht sonderlich gepflegte, Pudel-Mix-Dame Namens „Joecy“ vor. Schon der erste Anblick ließ mich erschaudern. Was musste diese kleine Hündin schon alles ausgestanden haben? Nicht nur, dass sie sehr ungepflegt aussah, oder, dass sie ziemlich schlechte Zähne und Parodontose hatte, ein Eckzahn ist sogar abgebrochen, nein ihr Gesäuge war so "ausgelutscht", wie es nur bei „Gebär-Maschinen“ aussieht. Ihre 4 mittleren Zitzen waren so groß wie Kirschen. Sie ist doch „nur“ ein Pudel-Mischling. Oh, welch´ eine Qual musste diese Hündin schon erlitten? 

Ich kniete mich zu ihr runter, lies mich beschnüffeln und sprach mit ihr. Sofort kam sie näher und lies sich von mir intensive kraulen. Das erste kennen lernen war geschafft, das Eis gebrochen. Ich packte alles nötige ein, Joecy setzte ich in die Transportbox ins Auto, und fuhr wieder zurück.

Auf der gesamten Fahrt über, verhielt sich Joecy sehr ruhig.

Wieder zu Hause:

Als ich gegen 6:00 Uhr am Sonntag Morgen Zuhause angekommen war, und ich Joecy, nach Bild-Joecydem Gassi-Gang, ihren zukünftigen Schlafplatz zeigte, war der Stress erst mal vorbei. Ich war ihre neue Bezugsperson – ihre "Retterin" – so benahm sie sich zumindest. Sie lies mich nicht mehr aus den Augen, geschweige denn, einen Schritt ohne sie machen. Sie himmelte mich förmlich an. Von Anfang an, lief alles sehr unproblematisch mit Joecy. Sie war zwar mit ihren mind. 10-12 Jahren (später vom Tierarzt, anhand eines Röntgenbildes, geschätzt) noch nicht stubenrein, doch das klappte fast wie von selbst. Es dauerte nur ein paar Tage, da hatte Joecy es raus, wenn ich die Leine nahm, ging es raus und nach dem „Geschäft“ eine Belohnung. Joecy´s Appetit war gewaltig. Sie fraß fast ständig. Gleich am Montag Nachmittag fuhr ich mit ihr zum Tierarzt, um die ungefähre Anzahl der zu erwartenden Welpen zu bestimmen, und um die Weite der Trächtigkeit zu erfahren. – Maximal noch eine Woche – hieß es dann und ca. 3-4 Welpen.

Okay! Also, ran ans vorbereiten! Wurfkiste vorholen, die hatte ich schon vor längerer Zeit mal gebaut, da ich schon mal eine trächtige Hündin bekommen sollte, die aber dann vorzeitig ihre Welpen bekam und nicht mehr zu transportieren war. Alles schön fertig gemacht, Decken rein, Laken rein, kleinere Handtücher dazu, damit Joecy was zum Nest bauen hatte.

Doch weit gefehlt, Sie ging nicht rein. Oh Schreck, was nun? Doch ich wartete einfach ab. Zwischendurch lockte ich sie mal rein und setzt mich dann neben die Wurfkiste hin. Sobald ich aber aufstand, war auch Joecy wieder draußen. Hier war Geduld gefragt. Und... , die Geduld siegte. Eines Abends, ich saß noch vor dem Computer, da hörte ich so ein komisches Geräusch, drehte mich um, und als ich in die Diele sah, war Joecy in der Wurfkiste und wühlte eifrig darin herum. Von da an ging sie immer öfter rein. Klasse, hat also doch geklappt.

Ein tägliches Ritual war es, Fieber bei Joecy zu messen. Da sie in der vorherigen Pflegestelle schon so um die 37,1° hatte, war ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich noch eine Woche dauern würde, bis sie ihre Welpen zur Welt bracht. Die Temperatur schwankte. Mal 37,1°, dann wieder 37,6° zurück auf 37°, dann auf 38° .... und so weiter.

Der große Tag:

Es ist Donnertag Abend, der 24. April 2008. Joecy geht sehr oft in die Wurfkiste. Sie ist etwas nervöser, ihre Temperatur ist 37,4°. Sie muss ständig raus, rennt nur rum. Auch in der Nacht zu Freitag, weckt sie mich öfter, um raus zu gehen. Freitag Morgen messe ich wieder Ihre Temperatur. Sie liegt bei 37,0°. Gegen Mittag nur noch 36,8° und am Nachmittag bei 36,9°. IhreBild-Joecy3 Unruhe ist gestiegen, sie hechelt vermehrt und winselt ab und zu. Oh, da kündigt sich die Geburt an! Mensch, nun werde ich auch nervös * grins*. Okay, nur die Ruhe bewahren. Alles in Ruhe fertig machen. Die Wurfkiste stelle ich ins Büro, da ist es am ruhigsten. Lege mir alles zurecht, Hände-Desinfektion, Waage, Küchenpapier, saubere Tücher und Handtücher, Geburts-Liste, etc.! Alles bereit – es kann losgehen.

Ich darf Joecy nicht mehr von der Seite weichen. Sie rennt mir noch mehr hinterhe, als vorher sowieso schon. Also, noch ´nen bequemen Stuhl hingestellt, und warten.

Gegen 18:30 Uhr wird sie noch unruhiger, leckt sich oft und schaut zum Bauch. Um 19:50 Uhr der erste rote Fleck auf dem Laken, und.... sie fängt an zu pressen..... (oh man – bin ich aufgeregt, aber ich lasse es mir nicht anmerken). Da sie ja schon einige Geburten hinter sich haben musste, bin ich sehr zuversichtlich, dass sie es ganz allein schafft. Nur alleine sein, dass möchte sie offensichtlich nicht. Okay, Joecy, ich bin bei dir!

Um 19:56 Uhr kommt der erste Welpe! HURRA – „wir“ sind Mama(´s) *lach*. Nun, was ist es denn? Sie leckt eifrig an den Welpen rum, kaut die Nabelschnur durch und leckt es wieder. Ich helfe mit einem Küchenpapier, den Welpen etwas schneller trocken zu machen und schaue ganz vorsichtig unterm Bauch – eine Hündin – klasse. Sie ist beige, mit einem krausen Fellstreifen im 1.Welpe-AmbaNacken und hat dunkel-beige Flecken. Oh, ist die süß. Sie heißt ab nun „Amba“. Sie wiegt 230g und ist ca. 16 cm lang, ohne Schwanz gemessen. Joecy ist sichtlich erleichtert. Ständig verlangt sie von mir Aufmerksamkeit, gutes zureden, aufmunternde Worte. Nur zu gerne rede ich mit ihr, wie toll sie das alles macht und wie lieb sie dabei ist. Immer wieder reiche ich ihr die Schale mit verdünnter Milch und ab und zu einen Löffel mit Traubenzucker. Dankend nimmt sie beides an. Ihre Blicke bestätigen mir, wie gut sie dies gebrauchen kann.

Man bedenke, Joecy ist erst seit 6 Tagen bei mir und sie vertraut mir völlig. Ich darf sie streicheln, und massieren, ich darf ihre kleinen Babys anfassen – es ist einfach sagenhaft, wie sehr diese (vermutlich) geschundene Hündin, Vertrauen in einen fremden Menschen setzt. Was für ein liebenswertes Wesen. Was für eine Großmütigkeit, trotz unvorstellbarer Vergangenheit, einem wildfremden Menschen, auf Anhieb so zu vertrauen. Ich bin nur noch sprachlos und muss bei diesen Gedanken wirklich schlucken! In diesem Moment, habe ich mir vorgenommen, das Joecy ein besonders gutes neues Zuhause verdient hat und werde es so lange suchen, bis ich es gefunden habe.

Es dauert knapp 1 1/2  Std. da geht es wieder los. Die nächsten Presswehen! Es ist jetzt 21:37Bild-Barney Uhr! Und..... es kommt was schwarzes zum Vorschein. Oh.... wieder super süß! Ein Rüde! Er hat einen weißen Irokesen-Streifen auf dem Kopf und eine weiße Brust. Goldig! Er heißt „Barney“, ist genauso groß, wie seine Schwester und wiegt 210g. Wieder kümmert sich Joecy „fachmännisch“ um ihren kleine Sprössling. Alles super.

Mittlerweile ist es schon 23:00 Uhr und es hat sich noch nichts wieder getan, .....nun wird es aber langsam Zeit. Aber, ich vertraue Joecy da völlig, sie wirkt so „professionell“, da mache ich mir nicht so große Sorgen. Da sie mit ihren zwei Welpen beschäftigt ist, mache ich mir schnell einen Cappuccino, ...den brauche ich jetzt.

Um 23:56 Uhr ist es dann noch einmal soweit, Joecy presst wieder. Nach 3 Wehen ist die kleine Bild-Cori„Cori“ geboren. Fein kaut Joecy die Nabelschnur durch und leckt ihre Tochter trocken. Wie ihre Geschwister zuvor krabbelt die Kleine in Richtung Zitzen.

Welch’ ein wunderschöner Moment! Welch’ ein kleines Wunder überhaupt!

Ich bin sehr überwältigt und freue mich riesig, alles hat ohne Komplikationen geklappt. Joecy ist sichtlich erschöpft und müde, aber wohl auch glücklich! Auch ich bin müde und wir machen beide erst mal die Augen zu und schlummern eine Runde.

Einige Stunden später...., Joecy weckt mich, sie muss wieder raus. Ganz schnell erledigt sie ihre Geschäfte und will wieder ganz schnell zu ihren Welpen. Oh, die sind sooo süß!

Bild-Welpen

Die ersten Tage verlaufen ohne Probleme. Barney, der kleinste wird von seinen Schwestern oft verdrängt, da ist aufpassen angesagt. Und tatsächlich, nach dem 4. Tag steht fest, Barney bekommt nicht genug Milch, er nimmt nicht zu. Ab jetzt wird er von mir zugefüttert! Mehrmals am Tag, bekommt er ein Fläschchen Ersatzmilch. Und siehe da, nach einigen Tagen wird die Mühe belohnt, Barney nimmt zu. Nicht soviel wie seine Geschwister, aber er nimmt zu.

Alle Welpen wachsen und gedeihen prächtig, sie sind munter und vergnügt. Die Zeit vergeht wie im Flug. Sie halten die ganze Familie in Atem. Es ist einfach klasse. Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Alle drei, Amba, Cori und Barney finden super tolle Familien und ziehen nach 10 u. 11 Wochen aus. Mit einem lachenden und einem weinendem Auge verabschieden wir uns von den kleinen Rackern. Am schweersten fällt es unserm 8 jährigen Sohn Dominic, der natürlich alle 3 Welpen besonders ins Herz geschlossen hat. Aber da es ja ein Wiedersehen gibt, kommt er ganz gut damit klar.

Hier mehr Welpen Bilder

Joecy hingegen, wollte nicht in eine neue Familie, der Versuch ist missglückt. Sie hat nun bei uns ihr neues Zuhause gefunden. Sie ist so lieb und zeigt ihre Dankbarkeit jeden Tag auf´s neue. 

Es war eine tolle Erfahrung für mich, dieses kleine Wunder miterleben zu dürfen, und für Joecy wohl das Beste ihres Lebens. Zurück bleibt ein warmes Gefühl, Freude und Liebe für eine kleine, geschunden Pudel-Mix-Hündin und für mich.


ENDE GUT, ALLES GUT!                                Welpen Bild

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